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Top! Survialtraining mit Rene Golz im Harz

Survivaltraining mir Rene Golz im Oberharz kann ich nur empfehlen. Über zwei Tage lang haben wir eine Menge an Techniken bei Ihm gelernt. Gemäß seinem Motto: “In diesem Kurs werden alle Aspekte des Survivals angesprochen , ausprobiert und gelebt.” Survivaltechniken wie z.B. Feuer auf traditoneller Weise machen und das ohne ohne Papier und Feuerzeug sondern mit der Technik des Feuerbohrens und etwas Birkenrinde. Vitamin C über Tee aus Fichtenzweigen gewinnen oder Eiweiß über Käferlarven einnehmen, einen trockenen Schlafplatz bauen sind nur einige Highlights. Wer schon immer wissen wollte, ob das was Bear Grylls dreht wahr ist, erfährt es hier.

Also wer die Stadt mal hintersich lassen will und pure Natur erleben möchte, brauch nicht lange suchen. Kann Rene Golz nur empfehlen. Nähere Infos findet Ihr unter Survivaltours.

 

Fuldaradreise – Von Rotenburg über Hann. Münden nach Celle – 3. Tag

Gegen 6.00 Uhr, gut ausgeruht, begann der letzte Tag meiner Trekking Fuldatour. Mit einigen Fotos hielt ich die morgendliche Idylle am Fuldaufer fest. Außer mir genossen nur ein paar Wild-enten die wohltuende Wärme der aufgehenden Sonne. Die Camper & Trekker lagen noch in den Betten ihrer Wohnmobile oder ruhten in ihren Schlafsäcken, weniger komfortabel, im Trekkingzelt. Der heutige Tag soll mit einem anständigen Frühstück beginnen, kam mir in den Sinn, während ich mit gewohnter Trekkerroutine mein Gerödel einpackte. Leise schlich ich mich vom Platz und überquerte nach 100 Metern die Fulda.

Als ich nach einer halben Stunde beim Bäcker saß und die Brötchen mit einem guten Schluck Kaffee runterspülte, überlegte ich, was mich von Rotenburg besonders angesprochen hat. Nein, es war nicht der Schlosspark und das im Renaissancestil erbaute Schloss, indem seit 1953 die hessische Finanzschule untergebracht ist. Auch die im 12 – 13. Jh. errichtete Stadtmauer und die Schleuse, die um 1601/02 auf Befehl des Landgrafen Moritz gebaut wurde und die Fulda von Kassel bis Hersfeld schiffbar machte, rissen mich nicht vom Stuhl. Mit den das Stadtbild bestimmenden Fachwerkhäuser, von 1498 und aus dem 17./18. Jh. können auch andere Städte aufwarten.

Was Rotenburg zusätzlich bot, sind die lebensecht wirkenden bronzenen Skulpturen und Skulpturengruppen, die in den Gassen und auf dem Marktplatz aufgestellt zum Nachdenken und Schmunzeln anregen.  Als erstes kam ich am Schleichwächter vorbei, der mit einem Spieß bewaffnet, sich an einer Hauswand abstützend, vorsichtig um die Ecke schaut. Sie sollten, bei Nacht möglichst geräuschlos in den Gassen patrouillieren. Zu diesem Zweck waren sie mit Spießen bewaffnet. Sie gingen so „vorsichtig“ zu Werke, dass man sie weder sah, noch ein Nutzen ihrer Dienste erkennbar wurde. Nach kurzer Zeit wurde ihr Dienst wieder eingestellt. Heute versuchen unsere Stadtoberen mit Stadtsheriffs Sicherheit zu produzieren, was nachweislich schon im Mittelalter erfolglos war. Dem Sparer läuft man vor der Sparkasse über den Weg. Der dargestellte Bauer, zu seinen Füssen ein Ferkel, steht mit dem Rücken zu Sparkasse. Vermutlich ahnte er schon damals etwas vom Bankencrash und stopfte mit spitzbübischem Grinsen die Taler aus den getätigten Verkäufen in seine Geldkatze.

Vor der Jakobikirche steht die Diakonissin, die mit ihrem Hundchen auf dem Weg zum sonntäglichen Gottesdienst ist. Die Skulptur steht als Symbol für die Hilfsbereitschaft aller freiwilligen Helfer, die ihre Zeit und Kraft der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Auf dem Marktplatz, ist die Figurengruppe, Tratsch der Marktweiber, platziert. Eine Marktfrau mit Kopftuch und typischer Kittelschürze lauscht dem Tratsch der Landfrau mit einer Trage auf dem Rücken und der feinen Dame in der Rotenburger Tracht. Auf dem städtischen Marktplatz erfuhr man Neuigkeiten oder gab welche zum Besten. Die Tracht ordnete bis ins 19. Jh. die Menschen nach verschiedenen Kriterien wie Geschlecht, Herkunft, Familienstand usw.

Was hat sich bis heute geändert?
Wir brauchen keinen Marktplatz mehr, wir tratschen überall und permanent mittels Handy oder Facebook. Sind unsere Trachten heute nicht die Designerklamotten? Haben die Outfits von Boss, Armani, Gucci, Dior usw. nicht den gleichen ordnenden Charakter einer historischen Tracht, auch wenn wir es uns nicht eingestehen wollen?
Die Frage der netten Bedienung, ob ich noch einen Kaffee möchte, brachte mich von den Skulpturen wieder zurück in die Gegenwart. Ich schwang mich in den Sattel und freute auf die nächsten 30 km nach Melsungen. Durch grüne Maisfelder und in Morgensonne goldgelb leuchtende Roggenfelder schlängelt sich der Radweg durch die Fuldaaue.
Nach 10 km verliert man die Fulda etwas aus den Augen, da der Radweg sich der Bahntrasse nach Melsungen nähert. Durch ein Viadukt führt der Weg dann steil aufwärts nach Altenmorschen. Das das gut erhaltene Kloster Haydau aus dem 14.Jh lasse ich links liegen und sause über die Hauptstrasse, die Fulda querend, hinab nach Morschen. Die Gemeinde Morschen zählt keine 4000 Einwohner, gönnt sich aber noch den Ortsteil Neumorschen. Jetzt geht’s wieder auf den Radweg, der kurz vor Binsdorf endet. Weiter geht es nur, wenn man die Seilbahn nutzt, die den Radler oder Fußgänger auf die rechte Fuldaseite bringt. Kurbeln ist angesagt, wenn man sich mit seinem Fahrrad auf die etwa 1,8 x 1,8 Meter große Plattform des Aluminiumkäfigs gezwängt hat. Ganz langsam und leicht pendelnd schwebt man über die Fulda. Nach 5 Minuten ist das andere Ufer erreicht. Hier traf ich die beiden einzigen Radwanderer auf dieser Tour. Ein kleiner Plausch zwischen Radlern und wenig später kurbelten sie sich über die Fulda, ihrem Ziel Wasserkuppe entgegen und ich trat wieder in die Pedale und stand kurz nach 10.00 Uhr vor einem der schönsten Fachwerkrathäuser Deutschlands, in Melsungen. Hier gönnte ich mir ein zweites Frühstück. Während ich mein Rührei verputze und meinen Blick über den Marktplatz schweifen lies, merkte ich, dass mein Faible nach drei Tagen Fachwerkhäuser bewundern, dahin war. Was soll ich mir anschauen?

Da fiel mir die Story der Bartenwetzer ein und machte mich auf den Weg zur ganz aus Stein, in den Jahren 1595/96, erbauten Bartenwetzerbrücke. Im Mittelalter verdienten die Melsunger ihren Lebensunterhalt überwiegend mit dem Holzeinschlag. Jeden Morgen nutzten die Holzfäller die Brücke über die Fulda, wenn sie zum Holz schlagen in die naheliegenden Wälder gingen. Auf der „Bartenwetzerbrücke“ wetzten (schärften) sie im weichen Sandstein der Geländer ihre Barten(mittelhochdeutsch für Axt oder Beil), deren Spuren noch heute erkennbar sind. Aus dieser Begebenheit entwickelte sich der Nickname für die Melsunger, Bartenwetzer. „Tschüß ihr Bartenwetzer“, sagte ich zu den bronzenen Figuren an der Brücke, ich muss weiter.
11 Kilometer gemütlicher Fahrt endeten kurz hinter Wagenfurt. Die Fulda fordert hier eine letzte Kraftanstrengung in Form einer etwa 6%igen Steigung nach Grebenau. Total außer Puste und mit brennenden Oberschenkeln legte ich, oben angekommen, erst mal eine Pause ein. Aus mir wird in diesem Leben kein Bergspezialist mehr!
Interessant ist hier der Flussverlauf, denn in Grebenau fließt die Fulda in einer ersten Schleife von 180 Grad wieder in Richtung Wasserkuppe, um nach etwa 2 km in einem zweiten Schwenk um 180 Grad wieder in die ursprüngliche, nordwestliche Richtung zu fließen. Bei Fuldabrück zaubert die Fulda noch einmal zwei 180 Grad Kurven ins Gelände. In Kassel folgt der Radweg, dem durch bauliche Maßnahmen bestimmen Lauf, der Fulda. Eine Besichtigungstour durch Kassel stand nicht auf meinem Tourenplan, da die vielen Sehenswürdigkeiten nicht mal eben im Vorbeifahren abzuarbeiten sind.
Jetzt galt es die letzten 26 Kilometer nach Hann. Münden durchzuhalten, denn die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel nieder. Die bewaldeten Hänge reichten nun oftmals bis an die Fulda heran und spendeten reichlich Schatten für eine entspannte Fahrt entlang der Ländergrenze zwischen Hessen und Niedersachsen.
Niedersachsen begrüßt den Radler mit Niedersachsenross und Fahne. Die Ausflugsschiffe mit den freundlich winkenden Passagieren künden Hann. Münden, die Drei-Flüsse-Stadt, an. Um 16.06 Uhr musste ich mir einen Weg durch die unzähligen Bustouristen bahnen, die auf bequemere Art und Weise die Geburt der Weser durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda erleben wollten.

Nur mit viel Geduld gelang es mit mir ein Foto ohne Touristen vom Weserstein zumachen. Nichts wie weg, sagte ich mir und machte mich auf den Weg in Richtung Bahnhof. Ich hatte die Sehenswürdigkeiten von Hann. Münden, die historische Altstadt, das Rathaus im Stil der Weserrenaissance, die alte Werrabrücke, die Tillyschanze, und, und, und, bei meiner Wesertour in 2008, bereits besichtigt.
Bis zur Rückreise um 17.00 Uhr hatte ich noch etwas Zeit und vertrieb mir die Zeit mit einem leckeren Eisbecher.

Spottlied über Doktor Eisenbarth

In unmittelbarer Nähe zur Eisdiele steht das Haus von Doktor Eisenbarth. Er starb hier am 11. Nov. 1727 und wurde in der Aegidienkirche beigesetzt. Er war gelernter Okulist (Augenarzt) und zog als Wanderarzt mit einer Gauklertruppe, die auch seine Dienste anpries, von Stadt zu Stadt. Mit dem folgendem Spottlied musste er leben.

„Ich bin der Doktor Eisenbarth, widewidewitt, bum bum Kurir die Leut nach meiner Art, widewidewitt, bum bum Kann machen, daß die Blinden gehn, Und daß die Lahmen wieder sehn. Gloria, Viktoria, widewidewitt juchheirassa! Gloria, Viktoria, widewidewitt, bum bum.

Es hatt einmal ein alter Mann widewidewitt, bum bum Im Rachen einen hohlen Zahn, widewidewitt, bum bum Ich schoß ihn raus mit der Pistol, Ach Gott, wie ist dem Mann so wohl. Gloria, Viktoria…

Drauf rief mich stracks der große Zar, widewidewitt, bum bum Er litt schon lang am grauen Star, widewidewitt, bum bum Ich stach ihm beede Augen aus, Jetzt ist der Star wohl auch heraus. Gloria, Viktoria…“

Aber wer den Polypenhaken erfunden hat, hatte wohl ein wenig mehr medizinische Kenntnisse gehabt, als das Spottlied über den Kurpfuscher Dr. Eisenbarth, vermuten lässt.

Während ich genüsslich meinen Eisbecher bearbeitete, reflektierte ich ein wenig die vergangenen drei Tage.
Nicht so prall waren die Fahrt nach Gersfeld und die Heimreise nach Celle mit der Bahn.
Schön, aber anstrengend, war der Trip hoch zur Wasserkuppe. In Erinnerung wird mir wohl das Unwetter mit Blitz, Donner und Hagel auf der Wasserkuppe und die damit verbundene, unruhige Nacht im Trekkingzelt bleiben.
Durch die abwechslungsreiche Flora und Fauna und die mittelalterlichen Städte mit ihrer Geschichte und Geschichtchen, entlang der Fulda, hatte ich eine kurzweilige aber interessante  Trekkingreise erlebt und mit  Per Larsen ich einen neuen Freund gewonnen.

Mehr geht nicht, dachte ich, war aber jetzt schon neugierig, was mir die nächste Trekkingtour an Erlebnissen schenken wird.

„Ich bin der Doktor Eisenbarth,

widewidewitt, bum bum

Kurir die Leut nach meiner Art,

widewidewitt, bum bum

Kann machen, daß die Blinden gehn,

Und daß die Lahmen wieder sehn.

Gloria, Viktoria, widewidewitt juchheirassa!

Gloria, Viktoria, widewidewitt, bum bum.

Es hatt einmal ein alter Mann

widewidewitt, bum bum

Im Rachen einen hohlen Zahn,

widewidewitt, bum bum

Ich schoß ihn raus mit der Pistol,

Ach Gott, wie ist dem Mann so wohl.

Gloria, Viktoria…

Drauf rief mich stracks der große Zar,

widewidewitt, bum bum

Er litt schon lang am grauen Star,

widewidewitt, bum bum

Ich stach ihm beede Augen aus,

Jetzt ist der Star wohl auch heraus.

Gloria, Viktoria…

Fuldaradreise – Von Gersfeld nach Rotenburg – 2. Tag

Ein turbulenter Anreisetag und eine unruhige Nacht lagen hinter mir. Im Halbschlaf zählte ich die Glockenschläge der Kirche von Gersfeld. Nach dem 5. Glockenschlag herrschte himmlische Ruhe, die zum Weiterschlafen einlud. Im Halbschlaf wurde mir bewusst, dass ich nicht im heimischen Federbett lag. Mühsam schlängelte ich mich aus dem Schlafsack und streckte den Kopf vorsichtig aus dem Zelt. Immer noch mieses Wetter, Zelteingang zu, rasch in den Schlafsack, war mein erster Gedanke, bot aber dem inneren Schweinehund die Stirn und war hellwach, als meine Füße das nasse Gras berührten.

Der zweite Radtag begann mit der bewährten Routine.Waschzeug und Radklamotten unter den Arm klemmen und ab zur Morgentoilette. Trekkinggaskocher anwerfen und 2 Liter Tee, die Tagesration, kochen. Utensilien, bis auf das Kochzeug, in den Fahrradtaschen verstauen. Kaffee kochen und genießen! Kochzeug verpacken. Trekkingzelt abbauen und auf dem Gepäckträger befestigen. Kurzer Kontrollblick, ob noch was herum liegt, den Fahrradhelm auf die Birne und los geht’s bergab zum Bahnhof von Gersfeld, den ich kurz nach sieben Uhr passiere.

Hier beginnt der Fuldaradweg.

Die ersten mehr als 100 Kilometer nach Rotenburg an der Fulda liegen vor mir, etwas mehr als gestern, wo ich nur 26 km radelnd und schiebend zurückgelegt hatte. Zunächst führt der Radweg entlang des Gleiskörpers bevor ich nach einer ¼ Stunde zum ersten Mal, an diesem Tag die Fulda überquere. Auf dem gut ausgebauten Radweg war vorsichtige Fahrweise geboten, hatte doch das gestrige Unwetter die Fahrbahn mit Ästen übersät und teilweise mit Schlamm überzogen.

Die Sonne brach langsam durch die Wolkendecke und fraß die Nebelschwaden über den bewaldeten Berghängen auf. Die kleinen Ortschaften wie Altenfeld, Schmalau und Ried mit ihren teils barocken und wehrhaften Kirchen, den Heiligenfiguren und Kreuzen auf den Dorfplätzen lagen noch im Halbschlaf als ich sie durchfuhr. Häufig stehen auf oder an den Brücken, die ich überquerte, noch immer die steinernen Brückenheiligen und erinnern daran, dass im Mittelalter die Flüsse meistens zu Fuß durchwatet werden mussten. Noch gab es kein DLRG und da auch sonst im Notfall keine Hilfe zu erwarten war, bat man vor diesem Abenteuer den Brückenheiligen um Hilfe. Falls das andere Ufer unfallfrei erreicht wurde, befreite sich der Glückliche vermutlich mit einem Jubelschrei von der inneren Anspannung und bedankte sich bei Heiligen brav mit einem Gebet.

Gegen 10.00 Uhr stand ich vor der Salvatorkirche, dem Dom zu Fulda. Er ist Teil des Fuldaer Barockviertels und das Wahrzeichen der Stadt Fulda. Das Stadtschloss, die Hauptwache, der Fürstenbau, der Schlosspark und weitere Gebäude vervollständigen das Bild der Altstadt. Jeder Liebhaber historischer Städte kann hier bewundern, was nach der Klostergründung anno 744 entstanden ist. Der Dom steht, wie es heißt, heute noch an der Stelle der ersten Kapelle  des Kloster Fulda, welche der Mann, den ich hier besuchen wollte, durch seinen Schüler Sturmius errichten lies und wunschgemäß hier seine letzte Ruhestätte fand.

Ich parkte mein Rad vor der Dombücherei. Nach ein paar Schritten stehe ich im Dom und gehe kurz danach durch das schneeweiß getönte Mittelschiff der Kirche und bin gefangen von der barocken Ausgestaltung. Etwas später und steige ich die wenigen Stufen zur Krypta, dem ältesten Teil vom Dom, hinunter und stehe vor seinem Sarkophag und musste an die Überschrift des Zeitungsartikels denken, den ich bei der Vorbereitung zu dieser Reise las und der mich sehr beeindruckt hatte.

„Ein Engländer verändert Europa“. Ja, es war kein König und kein Premierminister der Europa veränderte, sondern ein Mönch, dessen Steckbrief ich hier kurz skizziere.

Geboren wurde er um 672 in Crediton, nahe der englischen Südküste und auf den Namen Wynfreth (Winfried) getauft. Er tritt in jungen Jahren in das Kloster Exeter ein und wird im Alter von 30 Jahren zum Priester geweiht. In Angelsachsen war der christliche Glauben weitgehend etabliert, während im damaligen Germanien nach wie vor das „Heidentum“ herrschte. Wynfreth fühlt sich berufen den Heiden auf dem Kontinent den „wahren Glauben“ zu bringen.

716 erreicht er Friesland. Just zu der Zeit hatte der friesische Herzog Radbod von den Franken annektierte Gebiete zurückerobert und unterband mit allen Mitteln die Christianisierungs-versuche um seine Unabhängigkeit zu festigen. Wegen des missionarischen Misserfolges kehrt er im gleichen Jahr, vermutlich frustriert, nach England zurück.

719 begibt er sich auf eine Pilgerreise nach Rom und erhält vom Papst Georg II den Missionsauftrag für Germanien. Wynfreth nimmt den Namen des Tagesheiligen an und nennt sich von nun an Bonifatius. Er reist als Missionar durch Friesland, Thüringen, Bayern und Hessen. Bekannt ist die Erzählung, dass er bei Geismar in Hessen eine dem germanischen Kriegsgott Thor geweihte Eiche fällte und aus deren Holz die Kapelle für das Kloster Fritzlar, dem heutigen Fritzlar, gebaut wurde. Als päpstlicher Legat für das Frankenreich gründet er die Bistümer Erfurt und Würzburg und ordnet in Bayern die Bistümer Regensburg, Freising, Passau und Salzburg. Er selbst übernimmt den Bischofstuhl von Mainz.

753, im Alter von mehr 80 Jahren, zieht es ihn noch mal an den Ort seines ersten apostolischen Wirkens, nach Friesland. Am 5. Juni 754 oder 755 wird er mit seinen Gefährten in Dorrum, in den heutigen Niederlanden, ermordet. Von seinem Bischofsitz Mainz wurde sein Leichnam nach Fulda überführt und dort gemäß seinem Wunsch im Dom beigesetzt.

Dieser 180 Kilometer lange Weg ist noch heutige ein oftmals begangener Pilgerweg. Bonifatius war sicher nicht der erste und einzige aber zweifellos der bedeutendste Missionar für Europa. Er schuf mit seinen kirchlichen Gebietsstrukturen und Klostergründungen die Grundlagen für das völkerübergreifende Frankenreich Karls des Großen, welche im wesentlichen die Grenzen des heutigen Europas, dem „Christlichen Abendland“, sind.

Zurück auf dem Domplatz holten mich die profanen Dinge des Lebens ein. Ich hatte Hunger und stärkte mich, bevor ich weiterfuhr, bei einem Fleischer mit Mettbrötchen und Kaffee.

Der Radweg führte die nächsten 12 km unmittelbar an der Fulda entlang. Bei Kämmerzell   paddelten vier junge Damen in einer Gummiyacht auf der Fulda. Gern hätte ich bei ihnen im Boot gesessen. Natürlich nicht wegen der jungen Damen, sondern nur wegen der Abkühlung, die der Fluss versprach, denn die Sonne stand im Zenit und das Thermometer zeigte 34° Celsius und ein schattiges Plätzchen war nicht aus zu machen.

Nach weiteren 14 km, am Fluss entlang, mündet der Bach Schlitz in die Fulda. Hier musste ich mich entscheiden ob ich die gleichnamige 4 Burgenstadt Schlitz besuchen oder ohne Umweg nach Bad Hersfeld fahren soll. Schlitz ist sicher ein Abstecher wert dachte ich,   musste aber feststellen, dass sie an diesem Tag außer seiner beeindruckenden Silhouette nichts zu bieten hatte. So radelte ich durch einen in der Mittagshitze wie ausgestorbenen wirkenden Ort. Selbst bei Aldi, wo ich meinen Getränkevorrat ergänzte, war außer mir kein Kunde.

Nach einer weiteren Stunde im Sattel hatte ich Solms erreicht und musste eine kurze Pause einlegen, denn die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel nieder. In schwindelnder Höhe quert hier eine mehr als 2 Kilometer lange Brücke, der Intercitytrasse, das Tal. Die weitern 16 Kilometer habe ich ohne links und rechts zu schauen zurückgelegt.

War das nicht eine Eisdiele? Ich legte eine Vollbremsung hin, schaute zurück und saß kurze Zeit später unter einem Sonnenschirm und erholte mich bei leckerem Eis und einen kühlen Getränk. Erst jetzt sah ich, dass ich am Kurhaus von Bad Hersfeld, mit dem davorliegenden Kurpark und einem in den Park integriertem Teich mit Springbrunnen vorbeigefahren war. Die Fontaine des Springbrunnens spendete eine angenehme Kühle, welche auch Gerda gefiel, einer Wildente die, wenn sie nicht damit beschäftigt war an den Tischen nach Eiswaffeln zu betteln, sich gemütlich in einem Körbchen rekelte, das neben dem Eingang der Eisdiele stand. Leider hatte ich es nicht so gut wie Gerda und schwang mich in den Sattel. Unmittelbar vor dem Marktplatz steht eine bronzene  Skulpturgruppe. Auf einer Tafel steht Mückenstürmer, so werden die Hersfelder von ihren Nachbarn seit dem Jahr 1674 genannt. Ein riesiger Mückenschwarm, las ich weiter, umhüllte den Kirchturm. Die Hersfelder glaubten es sei eine Rauchwolke und stürmten mit Leitern und Eimern bewaffnet, so sind auch die Figuren der Skulptur gestaltet, herbei um den vermeintlichen Brand zu löschen.

Wegen Mückenstürmer reist wohl kein Mensch nach Bad Hersfeld, das erstmalig 736 schriftlich erwähnt wird. Der Mönch Sturmius errichtete hier eine Einsiedelei und Lulus gründete am selben Ort das Benediktinerkloster Hersfeld. Beide waren Schüler von Bonifatius. Sondern eher die Festspiele, die jährlich vor der größten romanischen Kirchenruine Europas stattfinden, die gotische Stadtkirche, deren Turm aus dem 14. Jh. das Wahrzeichen von Hersfeld ist, das Rathaus, 1371 im gotischen Stil errichtet und das von 1607 bis 1612 im Weserrenaissancestil umgestaltet wurde, und der historische Stadtkern locken die Besucher an.

Konrad Duden veröffentlichte in Hersfeld sein wichtigstes Werk, das „Vollständige orthographische Wörterbuch“ der deutschen Sprache, den Duden. Vor der Stiftsruine steht er lebensgroß in Bronze gegossen und ihm gegenüber Otto Zuse, dem Vater der Computer. Er entwickelte den ersten elektrisch angetriebenen mechanischen Rechner Z1. Nach seinem entwickelten System arbeiten unsere heutigen Computer, nur dass die Mechanik durch die Elektronik ersetzt wurde. Übrigens hat er auch den ersten Plotter (Drucker) entwickelt und in seinem Werk in Bad Hersfeld gebaut.

Welch eine Entwicklung über 13 Jahrhunderte hat Hersfeld erfahren, dachte ich als ich mich wieder auf das Rad schwang. Der Weg führte zunächst unmittelbar an der stark befahrenen B27 entlang. Ab Friedlos folgt der Radweg endlich wieder dem Flussverlauf. Non Stopp wollte ich die 14 Kilometer nach Rotenburg zurücklegen, aber unter einer Baumgruppe weckte ein Hinweisschild und eine große Granitkugel mein Interesse. Ich stieg vom Rad und lese, dass ich meine Tour bis Mecklar auf dem Planetenweg zurücklegen werde. Der Planetenweg vermittelt eine Vorstellung von den Größenunterschieden und den Entfernungen innerhalb unseres Planetensystems. Entlang der nächsten 2,5 Km durch die Fuldaaue sind die Planeten, hinsichtlich ihrer Größe und dem Abstand zur Sonne, im Maßstab   1:2.000.000.000 (1 cm = 20 000 km) aufgestellt. Auf kleinen Granitsäulen sind Planeten maßstabgetreu nachgestellt und beschrieben. Die Erde und der Mond schrumpfen auf Erbsengröße, während die Sonne noch stattliche 78 cm misst.

Wer das Weltall durchquert hat, für den sind die letzten 10 km ein klacks, dachte ich, und trat noch mal voll in die Pedalen.

Um 17.30 Uhr hatte ich mein Tagwerk vollbracht, der Campingplatz Rotenburg war erreicht. Das Trekkingzelt war rasch am Fuldaufer aufgestellt und ich genoss danach die Annehmlichkeiten der Einrichtung und gönnte mir nach einer Duschorgie auf der Terrasse des Campingvaters ein Kännchen Kaffee und einen kleinen Imbiss.

Zurück am Zelt kam ich mit meinen Nachbar Per Larson ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er sich auf dem Weg nach Santiago de Compostela befände und auf der Insel Mön gestartet ist. Ungläubig schaute er mich an, als ich ihm sagte, dass ich auch ein ehemaliger Jakobspilger bin und meine Pilgerreise 2007 unternommen hatte. Mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben, krochen wir gegen 21 Uhr in unsere Trekkingzelte.

Fuldaradreise – Von Celle nach Gersfeld und auf die Wasserkuppe – 1. Tag

Pünktlich um 07.47 Uhr setzt sich der Zug in Celle in Bewegung, meine Trekking-Fuldaradreise hat begonnen.
Die Fahrt war recht eintönig bis auf die Silhouette vom Welfenschloss Marienburg, dem Familiensitz des „Pinkelprinzen“ und der Ruine Heldenburg in Salzderhelden, die man aus dem Fenster erkennen konnte. In und um die Ruine soll in stürmischen Nächten der Geist des letzten Burgbewohners, dem Oberförster Otto Friedrich von Moltke, umher irren.
Der Grund hierfür ist vermutlich die Todesursache, denn er wurde im Jahr 1692 wegen Hochverrat in Hannover hingerichtet.

Ansonsten versperrte über weite Strecken der Baumbesatz entlang des Gleisbettes den Ausblick auf die Landschaft und vom Geist des Oberförsters spürte ich auch nichts, denn es war ein wunderschöner, windstiller und sonniger heißer Montagmorgen. Die wenigen Mitreisenden nutzten die Zeit zur Weiterbildung mittels einer bekannten deutschen Boulevardzeitung, die den „Studenten“ auch Schutz vor neugierigen und fragenden Blicken der Mitreisenden bot. Andere holten den Schlafverlust vom vergangenen Wochenende nach. So vergingen sechs „kommunikative“ Stunden, aufgelockert durch dreimaliges stressfreies Umsteigen, die Bahn stellt dafür 1 Stunde und 45 Minuten zur Verfügung, wie im Flug.
Kurz nach zwei Uhr verließ ich das Sackbahnhöfchen Gersfeld. Verschlafen und wie ausgestorben liegt Gersfeld, das Tor zur Rhön, in der brütenden Mittagssonne. Am Bahnhof präsentiert sich die „ Pedale“, die 1.Fahrradkneipe Deutschlands. Leider war sie geschlossen, somit gab es kein erfrischendes Getränk.
Eine Besichtigung der eindrucksvollen Barockkirche stand auf meinem Programm. Am barocken Portal scheiterte dieser Programmpunkt denn die Tür war geschlossen. Geöffnet war der schön angelegte, weitläufige Schlosspark mit schönen Blumenrabatten, einem alten Schatten spendendem Baumbestand und dem Schlossteich, auf dem sich die Wasserrosen der Sonne entgegen reckten. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch die alten Häuser, das war die Fulda. Na ja, alles fängt mal klein an. Als ich dann an einem Brunnen aus heimischen Basaltgestein vorbei kam, an dem mir eine der Figuren die Zunge entgegenstreckte, hatte ich die Nase von Gersfeld voll und machte mich auf den Weg nach dem etwa 4 km entfernten Campingplatz in Schachen (600 Meter über NN).

Jetzt wurde mir erst bewusst, dass ich nicht mehr im flachen Celler Land radelte sondern in der Rhön, denn es galt die ersten 106 Höhenmeter zu überwinden. Puh!!!
Trotz der Sommerferien war der Campingplatz nur mäßig belegt und so konnte ich mich frei entfalten. Das Trekkingzelt war schnell aufgebaut, die Ausrüstung verstaut und schon befand ich mich auf dem Weg zur Wasserkuppe, mit 950m der höchste Berg in Hessen. Die Kreistrasse K160 führt über Schwarzerden zur Wasserkuppenstrasse nach Abtsroda.
Das Höhenprofil der Straße entspricht dem natürlichen Geländeverlauf, also steil bergan und bergab mit geringem Höhengewinn. Meine Oberschenkel brannten und ich schnaufte wie eine alte Dampflokomotive. Bei 700 Höhenmetern war Schluss mit radeln und ich gönnte mir eine Ruhepause. So ist das, wenn man in der Hoch Rhön radelt und schlecht trainiert ist.
Von meinem Standort aus, konnte ich die Mittelgebirgslandschaft der Rhön genießen. Die wellenförmig verlaufenden Hügel sind mit saftigen, grünen Wiesen bedeckt. Die grüne Fläche wird vielfach von gelbfarbenen Getreidefeldern unterbrochen. Hinter mir reckt sich die aus Basaltgestein bestehende 905 Meter hohe, kegelförmige mit Gras und niedrigem Gehölz bewachsene, Abtsroda Kuppe in den Himmel.
Die nun folgenden 3 Kilometer führen stetig bergan und zwangen mich zur neuen Raddisziplin- Rad schieben. Die Begrenzungspfosten an der Straße waren von nun an das Ziel für kurze Pausen. 3 Pfosten – Pause, 2 Pfosten – Pause, 1 Pfosten – Pause ….. 800 Höhenmeter erklommen. Dasselbe noch einmal und 900 Meter sind erreicht. Jetzt, kurz vor dem Ziel, wird es etwas flacher und ich versuche es wieder mit Rad fahren. Den Blick für die Landschaft hatte ich irgendwo zwischen Höhenmeter 800 und 900 verloren.

Als ich um 16.40 Uhr am Rhön-Info-Zentrum ankam, bemerkte ich, dass sich der Himmel nicht mehr strahlend blau sondern kohlrabenschwarz zeigte. Trotz Schlechtwetterfront steuerte ich, total kaputt, die erste Kneipe an. Fotos kann ich auch nach einem ½ Liter Spezi machen, dachte ich. Das war ein Fehler und denn so konnte ich nur das Info-Zentrum, das Flugcentergebäude der Wasserkuppe und eine schwarze Wolkenwand auf den Chip der  Digitalkamera bannen, denn es begann zu regnen. Ich fand Unterschlupf unter der überdachten Hauswand des Hotels. Da öffnete der Himmel seinen Schleusen richtig. Blitze malten grelle Linien in den schwarzen Himmel und ließen im fahlen Licht die Silhouetten der Häuser erahnen. Die Donnerschläge, welche unmittelbar auf die Blitze folgten, waren ohrenbetäubend. Zu einem Unwetter gehört natürlich auch Hagel, dachte ich, der auch prompt einsetzte und mich mit 1-2 cm großen Körner eindeckte. Rasch noch ein paar Fotos zur Dokumentation. Nun war Flucht angesagt und zwar durch die Küche in die Gaststube. Da stand ich nun, wie ein begossener Pudel, nass bis auf die Haut. Die Wasserkuppe macht ihrem Namen alle Ehre, dachte ich. Aber wie allgemein bekannt ist, bezieht sich die Bezeichnung Wasserkuppe nicht auf Wasser, was man aufgrund der vielen Quellen am Berg vermuten könnte, sondern das mittelhochdeutsche Wort „WASS“ stand hier Pate und bedeutet Weideplatz.

Nach einiger Zeit hörte es auf zu hageln aber Regen und Gewitter hielten an. Was tun, dachte ich. Um Zeit zu gewinnen, bat ich um die Speisekarte. Mit einem Strammen Max und einem Kännchen Kaffe wollte ich das Wetter aussitzen. Plan B klappte nicht, es regnete immer  noch. Gegen 19.00 Uhr bot mir der Wirt an, mich und mein Fahrrad nach Schachen zu fahren. Kostenlos! So was gibt es noch, dachte ich ganz verdattert und nahm das Angebot gerne an. Im warmen VW-Bus fuhr ich unmittelbar an der Fuldaquelle vorbei und mir viel ein, dass ich mir außer der Fuldaquelle auch das Fliegerdenkmal anschauen wollte (die Wasserkuppe gilt als Geburtstätte der deutschen Segelfliegerei) und einen Segelflug über die Rhön geplant hatte. Die ganze Planung ist ins „Wasser“ gefallen.

Auf dem Campingplatz angekommen, galt meine Sorge dem Trekkingzelt. Toll, das Zelt stand noch. Schnell rein und in den Schlafsack, denkste. Körperpflege ist auch bei Schietwetter Pflicht. Den Regenschirm aus dem Gepäck holen, Waschzeug und trockene Wäsche unter den Arm klemmend ab zum Sanitärtrakt unter die warme Dusche. Das tat gut! Frisch geduscht und mit trockenen Klamotten rasch ins Zelt, denn es regnete wieder stärker.

Wer mir jetzt gratulieren und eine gute Nacht wünschen will, dem sei gesagt, dass ich in einem Trekkingzelt mit den Maßen 255 cm x 90 cm und das am Kopfende 75 cm und am Fußende 40 cm hoch ist, liege. Neben und hinter mir liegen meine Trekkingausrüstung und die nassen Klamotten. Zwischen meinem Kopf und dem Innenzelt ist nicht viel Platz und die Regentropfen prasseln unaufhörlich auf das Zeltdach. Du liegst mit geschlossenen Augen im Schlafsack und hast das Gefühl einem andauernden Trommelwirbel der heimischen Feuerwehrkapelle ausgesetzt zu sein. Bei jedem Blitzschlag denkst du unter einer Straßenlaterne zu liegen. Jeder Donnerschlag lässt die Zeltbahn erzittern und Angst, dass mich der nächste Blitz treffen könnte, verspüre ich auch. Das alles sind keine guten Vorraussetzungen für eine gute Nacht.
Um 23.00 Uhr rüttelte mein Nachbar, ein Holländer, an meinem Zelt und fragt ob alles in Ordnung sei und lud mich ein, bei ihm im Vorzelt, zu übernachten. Ich lehnte dankend ab, denn das Gewitter war vorüber gezogen und es regnete nur noch leicht. Wir verabschiedeten uns mit einem „Gute Nacht“!

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