Fuldaradreise – Von Celle nach Gersfeld und auf die Wasserkuppe – 1. Tag

Pünktlich um 07.47 Uhr setzt sich der Zug in Celle in Bewegung, meine Trekking-Fuldaradreise hat begonnen.
Die Fahrt war recht eintönig bis auf die Silhouette vom Welfenschloss Marienburg, dem Familiensitz des „Pinkelprinzen“ und der Ruine Heldenburg in Salzderhelden, die man aus dem Fenster erkennen konnte. In und um die Ruine soll in stürmischen Nächten der Geist des letzten Burgbewohners, dem Oberförster Otto Friedrich von Moltke, umher irren.
Der Grund hierfür ist vermutlich die Todesursache, denn er wurde im Jahr 1692 wegen Hochverrat in Hannover hingerichtet.

Ansonsten versperrte über weite Strecken der Baumbesatz entlang des Gleisbettes den Ausblick auf die Landschaft und vom Geist des Oberförsters spürte ich auch nichts, denn es war ein wunderschöner, windstiller und sonniger heißer Montagmorgen. Die wenigen Mitreisenden nutzten die Zeit zur Weiterbildung mittels einer bekannten deutschen Boulevardzeitung, die den „Studenten“ auch Schutz vor neugierigen und fragenden Blicken der Mitreisenden bot. Andere holten den Schlafverlust vom vergangenen Wochenende nach. So vergingen sechs „kommunikative“ Stunden, aufgelockert durch dreimaliges stressfreies Umsteigen, die Bahn stellt dafür 1 Stunde und 45 Minuten zur Verfügung, wie im Flug.
Kurz nach zwei Uhr verließ ich das Sackbahnhöfchen Gersfeld. Verschlafen und wie ausgestorben liegt Gersfeld, das Tor zur Rhön, in der brütenden Mittagssonne. Am Bahnhof präsentiert sich die „ Pedale“, die 1.Fahrradkneipe Deutschlands. Leider war sie geschlossen, somit gab es kein erfrischendes Getränk.
Eine Besichtigung der eindrucksvollen Barockkirche stand auf meinem Programm. Am barocken Portal scheiterte dieser Programmpunkt denn die Tür war geschlossen. Geöffnet war der schön angelegte, weitläufige Schlosspark mit schönen Blumenrabatten, einem alten Schatten spendendem Baumbestand und dem Schlossteich, auf dem sich die Wasserrosen der Sonne entgegen reckten. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch die alten Häuser, das war die Fulda. Na ja, alles fängt mal klein an. Als ich dann an einem Brunnen aus heimischen Basaltgestein vorbei kam, an dem mir eine der Figuren die Zunge entgegenstreckte, hatte ich die Nase von Gersfeld voll und machte mich auf den Weg nach dem etwa 4 km entfernten Campingplatz in Schachen (600 Meter über NN).

Jetzt wurde mir erst bewusst, dass ich nicht mehr im flachen Celler Land radelte sondern in der Rhön, denn es galt die ersten 106 Höhenmeter zu überwinden. Puh!!!
Trotz der Sommerferien war der Campingplatz nur mäßig belegt und so konnte ich mich frei entfalten. Das Trekkingzelt war schnell aufgebaut, die Ausrüstung verstaut und schon befand ich mich auf dem Weg zur Wasserkuppe, mit 950m der höchste Berg in Hessen. Die Kreistrasse K160 führt über Schwarzerden zur Wasserkuppenstrasse nach Abtsroda.
Das Höhenprofil der Straße entspricht dem natürlichen Geländeverlauf, also steil bergan und bergab mit geringem Höhengewinn. Meine Oberschenkel brannten und ich schnaufte wie eine alte Dampflokomotive. Bei 700 Höhenmetern war Schluss mit radeln und ich gönnte mir eine Ruhepause. So ist das, wenn man in der Hoch Rhön radelt und schlecht trainiert ist.
Von meinem Standort aus, konnte ich die Mittelgebirgslandschaft der Rhön genießen. Die wellenförmig verlaufenden Hügel sind mit saftigen, grünen Wiesen bedeckt. Die grüne Fläche wird vielfach von gelbfarbenen Getreidefeldern unterbrochen. Hinter mir reckt sich die aus Basaltgestein bestehende 905 Meter hohe, kegelförmige mit Gras und niedrigem Gehölz bewachsene, Abtsroda Kuppe in den Himmel.
Die nun folgenden 3 Kilometer führen stetig bergan und zwangen mich zur neuen Raddisziplin- Rad schieben. Die Begrenzungspfosten an der Straße waren von nun an das Ziel für kurze Pausen. 3 Pfosten – Pause, 2 Pfosten – Pause, 1 Pfosten – Pause ….. 800 Höhenmeter erklommen. Dasselbe noch einmal und 900 Meter sind erreicht. Jetzt, kurz vor dem Ziel, wird es etwas flacher und ich versuche es wieder mit Rad fahren. Den Blick für die Landschaft hatte ich irgendwo zwischen Höhenmeter 800 und 900 verloren.

Als ich um 16.40 Uhr am Rhön-Info-Zentrum ankam, bemerkte ich, dass sich der Himmel nicht mehr strahlend blau sondern kohlrabenschwarz zeigte. Trotz Schlechtwetterfront steuerte ich, total kaputt, die erste Kneipe an. Fotos kann ich auch nach einem ½ Liter Spezi machen, dachte ich. Das war ein Fehler und denn so konnte ich nur das Info-Zentrum, das Flugcentergebäude der Wasserkuppe und eine schwarze Wolkenwand auf den Chip der  Digitalkamera bannen, denn es begann zu regnen. Ich fand Unterschlupf unter der überdachten Hauswand des Hotels. Da öffnete der Himmel seinen Schleusen richtig. Blitze malten grelle Linien in den schwarzen Himmel und ließen im fahlen Licht die Silhouetten der Häuser erahnen. Die Donnerschläge, welche unmittelbar auf die Blitze folgten, waren ohrenbetäubend. Zu einem Unwetter gehört natürlich auch Hagel, dachte ich, der auch prompt einsetzte und mich mit 1-2 cm großen Körner eindeckte. Rasch noch ein paar Fotos zur Dokumentation. Nun war Flucht angesagt und zwar durch die Küche in die Gaststube. Da stand ich nun, wie ein begossener Pudel, nass bis auf die Haut. Die Wasserkuppe macht ihrem Namen alle Ehre, dachte ich. Aber wie allgemein bekannt ist, bezieht sich die Bezeichnung Wasserkuppe nicht auf Wasser, was man aufgrund der vielen Quellen am Berg vermuten könnte, sondern das mittelhochdeutsche Wort „WASS“ stand hier Pate und bedeutet Weideplatz.

Nach einiger Zeit hörte es auf zu hageln aber Regen und Gewitter hielten an. Was tun, dachte ich. Um Zeit zu gewinnen, bat ich um die Speisekarte. Mit einem Strammen Max und einem Kännchen Kaffe wollte ich das Wetter aussitzen. Plan B klappte nicht, es regnete immer  noch. Gegen 19.00 Uhr bot mir der Wirt an, mich und mein Fahrrad nach Schachen zu fahren. Kostenlos! So was gibt es noch, dachte ich ganz verdattert und nahm das Angebot gerne an. Im warmen VW-Bus fuhr ich unmittelbar an der Fuldaquelle vorbei und mir viel ein, dass ich mir außer der Fuldaquelle auch das Fliegerdenkmal anschauen wollte (die Wasserkuppe gilt als Geburtstätte der deutschen Segelfliegerei) und einen Segelflug über die Rhön geplant hatte. Die ganze Planung ist ins „Wasser“ gefallen.

Auf dem Campingplatz angekommen, galt meine Sorge dem Trekkingzelt. Toll, das Zelt stand noch. Schnell rein und in den Schlafsack, denkste. Körperpflege ist auch bei Schietwetter Pflicht. Den Regenschirm aus dem Gepäck holen, Waschzeug und trockene Wäsche unter den Arm klemmend ab zum Sanitärtrakt unter die warme Dusche. Das tat gut! Frisch geduscht und mit trockenen Klamotten rasch ins Zelt, denn es regnete wieder stärker.

Wer mir jetzt gratulieren und eine gute Nacht wünschen will, dem sei gesagt, dass ich in einem Trekkingzelt mit den Maßen 255 cm x 90 cm und das am Kopfende 75 cm und am Fußende 40 cm hoch ist, liege. Neben und hinter mir liegen meine Trekkingausrüstung und die nassen Klamotten. Zwischen meinem Kopf und dem Innenzelt ist nicht viel Platz und die Regentropfen prasseln unaufhörlich auf das Zeltdach. Du liegst mit geschlossenen Augen im Schlafsack und hast das Gefühl einem andauernden Trommelwirbel der heimischen Feuerwehrkapelle ausgesetzt zu sein. Bei jedem Blitzschlag denkst du unter einer Straßenlaterne zu liegen. Jeder Donnerschlag lässt die Zeltbahn erzittern und Angst, dass mich der nächste Blitz treffen könnte, verspüre ich auch. Das alles sind keine guten Vorraussetzungen für eine gute Nacht.
Um 23.00 Uhr rüttelte mein Nachbar, ein Holländer, an meinem Zelt und fragt ob alles in Ordnung sei und lud mich ein, bei ihm im Vorzelt, zu übernachten. Ich lehnte dankend ab, denn das Gewitter war vorüber gezogen und es regnete nur noch leicht. Wir verabschiedeten uns mit einem „Gute Nacht“!

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2 Antworten: “Fuldaradreise – Von Celle nach Gersfeld und auf die Wasserkuppe – 1. Tag”

  1. Dennis sagt:

    Hey Darius,

    interessante Geschichte, die ganz nach dir klingt… Respekt! Du weißt deine Freizeit sehr gut zu nutzen!

    In diesem Sinne freue ich mich auf die Fortsetzung.

    Gruß

    D, E, Doppel-N und I zum S

  2. Darek sagt:

    Hi Dennis,

    die Tour ist bestimmt stark und steht noch auf meiner Agenda. Aber der Bericht kommt nicht vor mir ;-) Das ist unser erster Gastbeitrag. Infos zum Autor kommen noch…
    Beste Grüße
    Darek

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