Zum ersten Mal auf unserer Tour wurden wir vom Wecker geweckt, gebraucht hätten wir ihn aber nicht, da die Aufregung aufgrund unserer bevorstehenden Gipfelbesteigung nur einen leichten Schlaf zu ließ. Nach einem kurzen Frühstück ging es lediglich mit einem kleinen Tagesrucksack, gefüllt mit Steigeisen, Handschuhen sowie Mützen und einer Flasche Wasser um 07 Uhr an der Kebnekaise Fjällstation los, welche auf einer Höhe von 690 m liegt. Für unsere Tour haben wir den Västra Leden gewählt, dies ist im Vergleich zum Östra Leden der etwas längere Weg, jedoch aufgrund der ungewissen Wetterlage auch der etwas sichere für eine Besteigung.
Leider hat sich die Wettervorhersage vom Vorabend bestätigt und es regnete unentwegt. Wir gingen eine ganze Weile Richtung Westen den Weg zurück den wir am Vortag gekommen sind, bis wir von einem Schild zum Västra Leden geführt wurden. Entlang eines Gebirgsflusses ging es zwischen jetzt immer höher werdenden Bergen stetig bergauf. Nach ca. 2 Stunden mussten wir mehrere kleine Gebirgsbäche überschreiten und balancierten über Steine im Wasser. Anschließend kamen wir auf einer Höhe von ca. 1.200 m an ein Hochmoor. Die Wolkendecke wurde immer dichter, so dass wir nicht mehr weit blicken konnten und ein wenig die Orientierung verloren. Das konnte ja was werden. Gemeinsam mit zwei anderen Bergsteigern (neben uns einige der wenigen, die sich bei diesem Tag auf dem Weg zum Gipfel begeben haben) fanden wir den rot markierten Pfad bald wieder. Nach ca. 4 Stunden errichten wir den Gipfel des Vierramvare auf 1.711 m Höhe. Der Gipfel war übersät mit Steinmännchen, die sich innerhalb des Gipfels eine skurrile Landschaft bildeten. Vom Vierramvare ging es wieder ca. 200 m hinab bevor wir an den Fuß des Kebnekaise kamen. Ab jetzt sollte es nur noch steil bergauf gehen. Nach ca. 5 Stunden anstrengender Wanderung bei wirklich schlechten Bedingungen, denn die Steiner waren durch den starken Regen sehr rutschig, kamen wir an eine Hütte, welche Bergsteigern bei schlechtem Wetter als Notunterkunft dient. Wir gingen hinein, ruhten kurz aus und tankten Kraft für den Aufstieg.
Das schlechte Wetter ließ uns nicht auf schöne Ausblicke hoffen, als wir jedoch auf dem Steinplateau direkt vor dem Kebnekaise ankamen, öffnete sich die Wolkendecke und wir hatten einen tollen Blick auf den Gipfel.
Das Wetter mussten wir jetzt nutzen. Da die letzten Meter des Aufstiegs über einen steilen Gletscher führen, schnallten wir uns die Steigeisen über und gingen vorsichtig Schritt für Schritt Richtung Gipfel. Richtig wohl war uns dabei nicht, da der Aufstieg lediglich über einen sehr schmalen Grat führte uns es links und rechts steil bergab ging. Ein Ausrutscher könnte jetzt böse enden. Darek erreichte zuerst den Gipfel, Michi folgte knapp darauf. Ca. 6 Stunden und 10 km nach unserem Aufbruch an der Kebnekaise Fjällstation haben wir es geschafft: Wir standen bzw. knieten auf 2.104 m Höhe, dem Gipfel des Kebnekaise, dem höchsten Punkt Schwedens. Darüber hinaus standen wir ganz allein auf dem Gipfel, weit und breit war niemand zu sehen. Diese Einsamkeit ließ uns das Ganze noch ein wenig mehr genießen. Etwas eingeschüchtert aufgrund der steilen Abhänge jedoch voller Stolz und Freude die Gipfelbesteigung geschafft zu haben, machten wir ein Gipfelfoto und drehten ein kurzes Video. Der Wettergott meinte es wirklich gut mit uns, denn für kurze Zeit war klares Wetter und wir hatten einen fantastischen Ausblick über die Bergwelt Schwedens mit unzähligen Gipfeln und Gletschern.
Da jedoch wieder Wolken aufkamen, machten wir uns wieder auf den Rückweg in sicherere Höhen. So ging es in kleinen Schritten den Gletscher bergab. Für den Abstieg bei durchgehenden Regen brauchten wir noch einmal ca. 6 Stunden, das es nass und glitschig war uns wir uns aufgrund des Nebels wieder etwas die Orientierung verloren ging.
An unserem Zelt angekommen, legten wir die nassen Klamotten ab, gaben die Steigeisen zurück und gönnten uns die erste Dusche unseres Trips sowie ein Ausschwitzen in der Sauna. Als Andenken an unser Abenteuer leisteten wir uns beide ein Gipfel-Shirt vom Kebnekaise. Den Abend ließen wir mit einem Keb-Burger und einem gemütlichen Aufenthalt in der Lounge der Fjällstation ausklingen. Die Bilder von der Besteigung gingen uns den ganzen Abend noch durch den Kopf. Das war ein tolles Erlebnis und für uns beider die absolute Krönung unserer Tour.
Na, ich gratuliere zum Gipfel!! Sieht steil und eisig aus…