Nach einer ordentlichen Portion Schlaf und einem guten Frühstück ging es gestärkt in Richtung Breche de Roland. Steil bergauf über einen Gletscher kamen wir nach 250 Höhenmetern am Breche und somit am Grenzübergang zu Spanien an auf 2.807 m. Der Aufstieg über Geröll und Eis forderte uns gleich zu von Beginn an. Nach einer kurzen Verschnaufpause sind wir östlich vom Breche Richtung El Taillon geklettert, einem von rund 200 Gipfeln über 3.000 m in den Pyrenäen – für uns jedoch der König unter den Bergen. Durch eiskalte Winde und Nebel erreichten wir den Gipfel auf 3.144 m. Die Aussicht war durch dicke Nebel- und Wolkenfelder leider sehr beschränkt. Trotzdem waren wir Stolz den ersten 3.000er unserer noch jungen Trekkerkarriere geschafft zu haben.
Danach brachen wir auf zum Refugio de Goriz, ohne Vorahnung was uns noch alles bevorstehen sollte. Zurück entlang des Breche de Roland sind wir westlich auf Gletschern und steilen Abhängen mit Kettensicherungen an den Wänden geklettert. Spätestens hier wurde uns bewusst, dass wir auf unsere Steigeisen wirklich angewiesen waren und dass dies kein leichtes Wandern wurde. Nachdem wir die Kettensicherung passiert hatten, hatte Michael einen kleinen Unfall: Der Wanderstock brach und er rutschte in die Felsen. Zum Glück ist nichts wirklich Schlimmes passiert, bis auf ein paar blaue Flecken und Schürfwunden. Darius leistete „erste Hilfe“, auch hier ein Glück, dass wir unser Verbandszeug dabei hatten. Nach dem kleinen Schock entschieden wir uns den direkten Abstieg ins Tal zu nehmen, denn bei der Alternative über einen steilen Gletscherabhang zu gehen war uns nicht wirklich wohl. So ließen wir die Vernunft siegen, aber auch der direkte Weg in das Tal war nicht einfach, so dass wir des Öfteren teilweise wieder hunderte von Metern bergauf steigen mussten, um auf den richtigen Pfad zu kommen.
Letztendlich haben uns die kleinen Steintürmchen den richtigen Weg finden lassen und so sind wir über grüne Wiesen, Bäche, kleine Felsvorsprünge und ein wenig Kletterei um ca. 17.30 Uhr am Refugio de Goriz (2.200 m) angekommen. Somit hatten wir an diesem Tag 9 Stunden Extremtrekking in den Knochen und Muskeln und genauso haben wir uns auch gefühlt. Hier auf der spanischen Seite war es deutlich wärmer als auf der französischen. Völlig erschöpft und erleichtert bauten wir unser Zelt auf und hingen die Wäsche auf.
Chefkoch Darius brutzelte wieder ein köstliches Tortellini-Festmahl und Michael lud auf ein spanisches Bier „Estrella Damm“ ein. Es wurde schnell dunkel und fast überwältigt von den Eindrücken und Erlebnissen des Tages haben wir uns noch lange im Zelt unterhalten. Leider haben wir unser Zelt auf einer Schräge aufgebaut, so dass wir mit den glatten Rucksäcken immer wieder ans Fußende im Zelt rutschten. Gute Nacht – nicht wirklich.